Die Wärmepumpenanlage wird aufgebaut

In den letzten Wochen rollten insgesamt 14 Schwertransporter zwischen Sachsen und der Elbinsel: Die in Netzschkau gefertigte und zuvor dort getestete Wärmepumpenanlage wurde in mehreren Ladungen nach Wilhelmsburg gebracht und dort montiert. Jetzt steht die Wärmepumpenanlage am Schlengendeich.

Eine Anlage dieser Größenordnung zu bewegen, ist kein Selbstläufer: Allein die einzelnen Komponenten bringen bis zu sechs Tonnen auf die Waage. Damit schwere Bauteile nicht verrutschen und empfindliche Messtechnik beschädigt wird, müssen sie besonders vorsichtig und aufrecht transportiert werden.

Vor Ort wurden die in Netschkau vorgefertigten Module von einem Montageteam mittels Hallenkran, Schwerlastrollen, Kettenzügen und Hubbühnen exakt auf die geplante Position auf die vorbereiteten Fundamenten im neuen Heizwerk gebracht – eine Millimeterarbeit, die eng zwischen Spediteur, Kranfirma, Bau- und Montageleitung abgestimmt werden musste. Das gelang nur mit echtem Teamwork vor Ort.

Die Wärmepumpenanlage löst eine wesentliche Herausforderung des Geothermie-Projekts: Großwärmepumpen für ein Wärmenetz müssen exakt auf das Temperaturniveau des jeweiligen Netzes ausgelegt werden – in Wilhelmsburg auf die geforderten 75 bis 85 Grad Vorlauftemperatur. Genau hier zahlte sich die vierstufige, kaskadierte Bauweise aus: Statt das rund 48 Grad warme Thermalwasser in einem großen Sprung auf Fernwärmetemperatur zu bringen, übernehmen vier Verdichterstufen jeweils einen kleineren Temperaturschritt – mit einem COP  (Leistungszahl: COP = coefficient of performance) für die Wärmepumpenanlage von bis zu 4,5 nach Herstellerangaben (W48/W75), also bis zu 4,5 Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom.

Dieses Prinzip hat sich bei Wärmepumpen dieser Größe durchgesetzt, weil es zwei Vorteile vereint. Zum einen lässt sich die Heizleistung so flexibler an den tatsächlichen Bedarf anpassen, statt nur zwischen „an“ und „aus“ zu schalten. Zum anderen erhöht sich die Versorgungssicherheit: Sollte eine Stufe oder eine der beiden Linien ausfallen oder zur Wartung stillstehen, übernehmen die übrigen Komponenten weiter die Wärmeerzeugung – das Heizwerk bleibt also auch dann betriebsbereit, wenn nicht jedes Bauteil zu hundert Prozent läuft. Für die Montage ist es herausfordernd, auch weil alle vier Verdichter unterschiedliche Größen haben.

Die Wärmepumpenanlage wurde in vielen Anlagenteilen aus hochwertigem Edelstahl gebaut, so dass wir ein natürliches Kältemittel mit einem Treibhauspotenzial von Null verwenden können und werden.

Mit der Montage der Anlage ist ein weiterer Meilenstein des Geothermie-Projekts geglückt. Es folgen die MEK (Mechanische Endkontrolle) und die Inbetriebnahme  Hier müssen aber einige andere Gewerke vorher fertig werden; beispielsweise  Mittel- und Niederspannung, der Heizkreis, und das Thermalwassersystem. Dazu bald mehr!

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