Das Geothermieprojekt IW³ nimmt Fahrt auf. Gleich zwei technische Meilensteine markieren den Fortschritt auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung in Wilhelmsburg.

Energiebunker: Der große Speicher ist bereit
Den größten Platz im Energiebunker nimmt der Wärmespeicher ein – ein Großpufferspeicher mit 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Als der ehemalige Flakbunker im Rahmen der IBA zu einem Ökokraftwerk umgebaut wurde, war eine Kombination mit Geothermie technisch noch nicht vorgesehen. Nun wurde er fit für die Zukunft gemacht: Pumpen, Rohrleitungen, Ventile sowie Steuerungs- und Regeltechnik werden angepasst – alles im laufenden Betrieb.
Der Kern dieser Ertüchtigung hat sich jetzt im Testbetrieb bewährt: Der Speicher wurde erstmals mit einer Leistung von rund 3 MW erfolgreich beladen und hat damit seine zentrale Funktion für den künftigen Geothermie-Betrieb unter Beweis gestellt. Da die Geothermieanlage noch nicht in Betrieb ist, kam die Wärme für den Test aus den bestehenden Wärmequellen wie dem Biomethan-Blockheizkraftwerk und den Kesselanlagen. Das Ergebnis war eindeutig: Der Speicher ist technisch geothermie-ready.
Projektleiter Thomas Havran zieht ein positives Fazit: „Ich freue mich, dass wir mit relativ geringem Aufwand einen so großen Nutzen für den zukünftigen Geothermie-Betrieb erreichen konnten.“ Die verbleibenden Umbauarbeiten werden in den kommenden Sommermonaten schrittweise abgeschlossen. Dann kann der Speicher Wärme aus der Geothermieanlage flexibel aufnehmen und bedarfsgerecht ins Wärmenetz einspeisen.
Wärmepumpe besteht Factory Acceptance Test in Netzschkau
Ebenfalls abgehakt: Der Factory Acceptance Test der maßgeschneiderten Wärmepumpenanlage beim Hersteller WESKA Kälteanlagen GmbH im sächsischen Netzschkau. Das Unternehmen ist ein Spezialist für die Planung, Montage und Wartung von Kälteanlagen und Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln – und hat für das IW³-Projekt eine technologisch besonders anspruchsvolle Anlage gebaut.
Projektleiter Frank Boehnke reiste für den Prüftermin nach Netzschkau. Ein Factory Acceptance Test dieser Dimension ist kein klassischer Werksprobelauf: Bei einer Anlage mit rund 8 MW Wärmeleistung wird Vollständigkeit und Qualität der Anlage systematisch geprüft: Alle Komponenten – Rohrleitungen, Verdichter, Schaltschränke – wurden also gegen die technischen Unterlagen und Typenschilder abgeglichen, Materialien und Verarbeitung begutachtet, die Elektropläne geprüft. Die Konstrukteure erläuterten Aufbau und Wirkweise der Anlage und die Bedienung wurde direkt am Objekt simuliert. Eine volle Betriebssituation wurde im Werk nicht eins zu eins nachgestellt, da weder die elektrische Antriebsleistung noch die Wärmeabnahme, also ein Anschluss an ein Fernwärmenetz, dort in dieser Größenordnung verfügbar sind.
Die Anlage ist technologisch bemerkenswert: Zwei vierstufige Wärmepumpen heben die geothermische Wärme von rund 48 Grad Celsius in einem kaskadierten Verdichtungsprozess auf das Temperaturniveau der Fernwärme von 75 bis 85 Grad Celsius. Mit einer Gesamtleistung von rund 8 MW und einem COP-Wert von bis zu 4,5 arbeitet die Anlage hocheffizient – und das mit einem natürlichen Kältemittel.
Frank Boehnke bringt es auf den Punkt: „Die Anlage ist vollständig und bereit für die Auslieferung. Die Konstrukteure und Monteure von WESKA sind zurecht stolz auf ihr Werk.“
Nach bestandenem Test wird die Anlage in den nächsten Wochen in Module zerlegt, angeliefert und im neuen Heizwerk am Schlengendeich installiert. Mehr dazu bald hier in den Updates!

