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Aus Plänen wird Wirklichkeit – das Stahltragwerk wird gefertigt

Bevor das Heizwerk, das die vierstufige Wärmepumpe beherbergen wird, seine endgültige Form annimmt, braucht das Gebäude ein Skelett. An der Geothermie-Baustelle wächst daher dieser Tage ein Stahlgerüst in die Höhe. Nun ist es fast fertig.

Wer sieht, wie die einzelnen Stahlträger ineinandergreifen, versteht schnell, warum dieser Schritt so entscheidend ist. Das Stahltragwerk übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es trägt die Last des Gebäudes – von der eigenen Konstruktion über die künftige Dämmung bis hin zu Wind- und Schneelasten – und gibt dem Bau seine präzise Geometrie.

Gerade bei einem Projekt, das Wärmeversorgung, Speichertechnik und Gebäudehülle so eng miteinander verzahnt, wie unser Projekt für die “Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg”, muss das Tragwerk von Anfang an auf seine technischen Einbauten abgestimmt sein: Wo später Leitungen verlaufen, wo Anlagentechnik steht, wo in der Fassade Zugänge liegen – all diese Überlegen gilt es bereits bei der Planung des Stahltragwerks zu beachten.

Hier zu sehen ist ein Fundament, auf dem später drei Behälter stehen werden. Zwei davon sind immer mit Heizwasser gefüllt und speichern Wärme. Sie werden als Speicher zum Ausgleichen kurzfristiger Schwankungen im Wärmebedarf des Netzes gebraucht. Der Dritte ist für die Druckhaltung im Netz mit zuständig. Das Wasser im Wärmenetz dehnt sich aus, wenn es wärmer wird und zieht sich zusammen, wenn es abkühlt. Diese Mengen nimmt der dritte Speicher auf und gibt sie gegebenenfalls wieder ab. So muss kaum neues frisches Wasser in das Netz nachgespeist werden.

Beim Behältersockel ganz links sieht man den sogenannten Bewehrungsstahl. Unter Bewehrung im Stahlbau wird die Verstärkung von Stahlkonstruktionen durch zusätzliche Materialien wie Stahlstäbe oder -matten verstanden, welche die Statik von Bauwerken verbessern. Hier wurde Baustahl von Stahlflechtern zu einem Korb geflochten. Die Rundstähle werden dabei gebogen und mit Draht untereinander verbunden, bis der Korb den Planungen laut Schal- und Bewehrungsplan entspricht.

Beim Behälter in der Mitte sieht man außen um den Korb die Schalung, die dem Beton später die Form gibt. Von oben wird Beton zwischen die Schalung geschüttet, mit einer sogenannten Rüttelflasche werden die Blasen entfernt. Dann ruht der Beton, bis er belastbar ist. Beim Behälter rechts daneben sieht man einen fertigen Sockel, nachdem der Beton abgebunden ist und die Schalung entfernt wurde. In dieser Art wurden die meisten anderen Fundamente auf der Baustelle herstellt.

Wir freuen uns auf das Richtfest!

Baustellen Update zum Neuen Jahr: Vom Fundament zur Stahlkonstruktion

Baustellen Update zum Neuen Jahr: Vom Fundament zur Stahlkonstruktion

In den letzten Wochen vor dem Witterungswechsel zum Jahresanfang hat sich auf der Geothermie-Baustelle viel getan: Nachdem das Fundament des zukünftigen Heizhauses erfolgreich fertiggestellt wurde, schritten die Arbeiten mit sichtlicher Dynamik voran: Der Rohbau des Heizwerks ist fertiggestellt, die Bodenplatte für die Geothermie-Bohrstelle geschüttet und geglättet. Um den Beton optimal zu verarbeiten, wurde teilweise in Nachtarbeit mit Flutlicht gearbeitet.

Aktuell wirkt es etwas ruhiger, da in der Werkstatt die Stahlbaufertigung stattfindet. Dort entsteht das Skelett, das später unsere Technik und die Fassade tragen wird. Unser Start ins Neue Jahr: Mit jedem Tag wächst nicht nur die Struktur aus Beton und Stahl, sondern auch die Zuversicht, unserem gemeinsamen Ziel – einer klimafreundlichen Wärmeversorgung für Wilhelmsburg – näher zu kommen.

IW3 Konsortialtreffen: So wächst das vernetzte Energiesystem der Zukunft 

IW3 Konsortialtreffen: So wächst das vernetzte Energiesystem der Zukunft 

Beim diesjährigen IW3-Konsortialtreffen am 13.11.2025 im Energiebunker wurde deutlich: Die integrierte Wärmewende in Wilhelmsburg gewinnt an Fahrt. Vertreterinnen und Vertreter aller Projektpartner kamen zusammen, um die neuesten Entwicklungen zu präsentieren und gemeinsam auf die nächsten Schritte zu blicken. So entstand ein lebendiges Bild eines Energiesystems, das nicht mehr nur am Reißbrett existiert, sondern zunehmend vor Ort Form annimmt. 

Den Auftakt machten Frank Boehnke und Dr. Carsten Hansen für die Hamburger Energiewerke Geothermie GmbH. Sie erläuterten, wie weit der Aufbau der geothermischen Anlage inzwischen vorangeschritten ist. Die Thermalwasserpumpe, die tief unter Wilhelmsburg das warme Wasser aus rund 450 Metern Tiefe an die Oberfläche befördert, bildet das Herz des zukünftigen geothermischen Kreislaufs. Auch die großen Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 8 Megawatt sind in Fertigung, und auf der Baustelle sichtbar wächst Geschoss für Geschoss: Von der Bohrpfahlgründung bis zu den ersten Wänden hat sich der Standort seit dem Sommer deutlich verändert. Damit rückt die Vision einer lokalen, klimafreundlichen Wärmeversorgung greifbar nahe. 

Im Anschluss rückte Thomas Havran von den Hamburger Energiewerken die parallel stattfindenden Maßnahmen zur Integration in die bestehende Infrastruktur in den Blick – all das, was man nicht auf den ersten Blick sieht, das aber unverzichtbar für ein funktionierendes Wärmenetz ist. Im Energiebunker sind Planung, Genehmigung und Ausschreibung zentraler Komponenten wie des neuen Speichers oder der Druckhaltung weit gediehen, und auch die Leittechnik, die später das gesamte System steuern soll, befindet sich in der Vorbereitung. Havran sprach auch über die Herausforderungen, die diesen Teil des Reallabors derzeit prägen: Detailabstimmungen, Schnittstellenarbeit, Netzmodellierung. Doch gerade diese Phase legt die Grundlagen für einen effizienten und robusten Betrieb – und schafft die Voraussetzung, verschiedene Energiequellen intelligent zu verbinden. 

Wie wichtig Daten und intelligente Steuerung dafür sind, zeigte anschließend Jan Trosdorff von der HAW. Er präsentierte neue Messkampagnen, die erstmals hochaufgelöste Wärme- und Druckdaten aus dem Netz liefern. Auf dieser Basis lassen sich Prognosemodelle entwickeln, die den zukünftigen Wärmebedarf erstaunlich genau voraussagen können. Mit JARVIS wurde zudem ein Open-Source-Tool vorgestellt, das Netzplanung und Simulation transparent macht und auch externen Partnern offensteht. Die Perspektive ist klar: Ein selbstlernendes, flexibles Wärmenetz, das auf Veränderungen reagiert und Ressourcen effizient nutzt. 

Einen besonderen Blick in die Zukunft wagte schließlich das Team der CAU Kiel mit einem Update zum HT-ATES-Feldversuch. Nachdem die Umsetzung eines Aquiferspeichers in Wilhelmsburg zunächst nicht erfolgreich war, setzt die CAU Kiel derzeit ihre Forschung an einem alternativen Standort in Brandenburg fort. Die dortige Anlage ist die erste realitätsnahe Hochtemperatur-Untergrundspeicherung dieser Art in Deutschland. Sie soll zeigen, wie sich im Sommer erzeugte Wärme im Boden bis zum Winter verlustarm speichern lässt und wie dafür geeignete Standorte ermittelt werden können. Erste Messdaten liegen bereits vor, auch wenn die obertägige Technik neu geplant werden muss. Trotz technischer und organisatorischer Herausforderungen verdeutlichte die Präsentation: Die Anlage schließt eine zentrale Wissenslücke für die saisonale Wärmespeicherung – ein Baustein, der für ein klimaneutrales Energiesystem unverzichtbar wird. 

Zum Abschluss führte eine Baustellenbegehung zum Standort der Geothermieanlage in Wilhelmsburg und damit direkt zu dem Ort, an dem viele dieser Entwicklungen aktuell auch obertägig sichtbar werden.  Wo vor wenigen Monaten noch freie Fläche war, stehen heute Fundamente, Wände und die Struktur der Maschinenhalle.  

Das Konsortialtreffen 2025 zeigte eindrucksvoll, wie die verschiedenen Teilprojekte zusammenwachsen. Geothermie, Wärmepumpen, Leit- und Netztechnik, Speicher und Datenmodelle fügen sich Schritt für Schritt zu einem Gesamtsystem. Wilhelmsburg wird damit zu einem Ort, an dem die Wärmewende nicht nur geplant, sondern Realität wird. 

Quiz: Was wissen Sie über Geothermie?

Am 18. Januar 2024 hat das Europäische Parlament in seiner Plenartagung in Straßburg einen Initiativbericht zum Thema Geothermie verabschiedet. Darin wird gefordert, ihr eine größere Bedeutung in der europäischen Energiewende einzuräumen. Warum? Geothermie ist nicht nur nachhaltig, sondern auch eine zuverlässige und unabhängige Energiequelle, die eine Vielzahl von ökonomischen Vorteilen bietet.

Was wissen Sie über die Technologie als solche und das Projekt in Wilhelmsburg im Speziellen? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.

Vorbereitende Maßnahmen laufen

Zum Jahreswechsel befinden wir uns mitten im Genehmigungsverfahren für die Tiefbohrungen der Geothermie, die über das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover laufen.

Zeitgleich sind wir mit unserem Bohrplatzplaner und Bohrplaner dabei, alles vorzubereiten, um ab Mitte 2021 mit der ersten Bohrung starten zu können.

Aktuell laufen die Kampfmittelsondierung und ein umfassendes Bodengutachten. Auch der sogenannte Hauptbetriebsplan und Sonderbetriebspläne sind in Bearbeitung.

Ernennung zum „Reallabor der Energiewende“

Aufgrund der Innovationskraft des IW³-Konzeptes, in dem Geothermie eine zentrale Rolle spielt, überreichte Andreas Feicht, Staatssekretär für Energiepolitik im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) dem IW³-Konsortium einen Förderbescheid in Höhe von 22,5 Millionen Euro. Zur Begründung hieß es: „Hamburg nimmt Kurs auf die Wärmewende. Mit „IW³ – Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg“ demonstrieren die Beteiligten, wie ein Reallabor in einem urbanen Umfeld funktioniert. Hier wird eine urbane Wärmeversorgung mit CO2-freier Energie realisiert.“ Damit startet das IW³-Projekt nun in die Umsetzung.

IW³ war eines der 20 Gewinnerprojekte eines Ideenwettbewerbes des Bundeswirtschaftsministeriums, die Minister Peter Altmaier im Juli 2019 in Berlin bekannt gegeben hat. Aufgrund dieser Ernennung konnte sich das Konsortium um Fördergelder aus dem Programm „Reallabore der Energiewende“ bewerben, die nun bewilligt wurden. Mit den Reallaboren werden Innovationsprojekte im Industriemaßstab umgesetzt, um den Transfer von Technologien und Lösungen für die Energiewende in den Markt zu beschleunigen.

Mehr dazu in der Pressemitteilung: www.hamburgenergie.de/ueber-uns/presse/pressemeldung/article/start-fuer-hamburger-reallabor-fuer-die-waermewende